HB9BLOG

Schweizer Amateurfunk-Weblog für DX, Kontest, CW und mehr.

04 Juli 2006

Helvetia-Kontest 2006


HK-Manager Dominik, HB9CZF, hat soeben die HK-06-Resultate bekanntgegeben. In der Multi-Mixed-Kategorie liegt HB9FMU (OPs: HB9FMU, HB9CRV; 1582 QSO, 710'228 Punkte) ganz vorn, gefolgt von HB9DDO (OPs: HB9DDO, HB9IQB; 1415 Q, 615'157 P.) und HB9MM aus dem Waadtland (1229 Q, 549'351 P.).
Phil, HB9FMU, berichtet vom hervorragenden Effort aus JU, und Stephan, HB9DDO, vom ersten Versuch in der Multi-Kategorie. Weitere Berichte können gern gepostet werden. Wir sind gespannt auf Eure Berichte!


HB9FMU – Multi-Mixed mit HB9FMU und HB9CRV
Von Phil, HB9FMU

Von Pferden und Eseln
Vor rund 10 Jahren vernahm ich via Buschtelefon, dass im Jura in der Nähe des Etang de la Grùere ein Au-pair der besonderen Art gesucht wurde. Auftrag: während der Wintermonate für die Esel, Pferde und Hunde des Hauses sorgen. Obwohl ich keine dieser Tierarten je beherbergte, meldete ich mich für diesen Job. Ein Winter im Jura würde mir ein bisschen Canada-Feeling vorgaukeln und mein Französischaufenhalt-Ist würde sich so nebenbei dem Soll nähern. Dank Vitamin B stand ich schon bald im Stall und achtete darauf, das Heu nicht mit dem Stroh zu verwechseln.

Erste Kontestaktivitäten
Die Besitzer waren mit meiner Arbeit zufrieden, wurden gute Freunde von mir und erlaubten mir, ihr QTH in den folgenden Jahren mindestens einmal pro Jahr mit Antennen zu übersähen. So wurde es mir möglich, im HK richtig mitzumischen und erste Kontesterfahrungen zu sammeln. Im Jahre 2000 nahmen Hermann, HB9CRV, und ich das erste Mal in der Multi-Kategorie teil. 2002 aktivierten wir HB9A und erhielten Unterstützung aus DL (die beiden Freds, DJ5MW und DF5UL). Seitdem sind wir regelmässig dabei und testen jedes Jahr neue Antennen. Da sämtliche Antennen wie an einem Fieldday für den Kontest auf- und abgebaut werden müssen, mussten wir vorerst auf hohe Antennen verzichten. Bis 2004 verwendeten wir deshalb einfache Beams in maximal 12 m Höhe (3-el.-Tribander, Spiderbeam) und Dipolantennen.




HK 2005 – Antenne der Superlative
Dies änderte sich 2005, als uns Jakob, HB9BSJ, seinen 3-Ele.-Stepper samt Anhänger mit 24 m hohem Flamexmast zur Verfügung stellte. Die Yagi in dieser Höhe strahlt sehr flach ab, was uns auch im Sonnenfleckenminimum eine Menge DX bescherte. Die hohen Dipole für 40m und 80m produzierten ebenfalls stärkere Signale, sodass das Score noch einmal erhöht werden konnte. Für den IOTA 05 baute HB9CRV eine Foursquare für 40m, welche im HK ausgiebig getestet wurde. Das Vor/Rückverhältnis beeindruckte, die Richtwirkung ebenfalls. Aber, von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen, war sie nicht besser als der Dipol in 24 m Höhe. Die schlechte Bodenleitfähigkeit im kargen Jura war schuld. Deshalb verwendeten wir die Foursquare v.a. als RX-Antenne, um das Pile-up besser kontrollieren zu können.

HK 2006 – zu zweit
Im Winter erreichten mich schlechte Nachrichten: die QTH-Besitzer hatten ihre Ferienwohnung verkauft, übrig blieb ein kleines Zimmer in ihrem Haus, das nicht für Multioperating taugte. In der Folge plante ich eine kleinere Teilnahme zu zweit mit einfachen Antennen. Fred, DJ5MW, getraute ich wegen den prekären Platzverhältnisse nicht einzuladen. Hermann war voll und ganz mit den Vorbereitungen auf den IOTA auf CU8 beschäftigt. So stellte ich mich für einmal auf einen gemütlichen HK ein. Doch es kam anders.

HB9BSJ stellte uns seinen portablen Stepper grosszügigerweise ein zweites Mal zur Verfügung. So hatten wir am Freitag genügend Zeit, einen 18 m hohen Militärmasten mit zwei Trapdipolen aufzustellen. Es handelt sich dabei um einen 6-teiligen Fiberglassteckmasten, der dank Kippgelenk und Hilfsmast von einer Person aufgestellt werden kann. Ein billiger Econovadipol diente für den Betrieb auf 20m bis 10m, der längste Kelemendipol für 40m bis 160m. Am Samstagmorgen wurden am Flamexmast noch zwei Monobanddipole für 40m und 80m aufgezogen. Da HB9BSJ die Antenne bereits am Freitag in den Jura gefahren hatte, konnte wir dank der tatkräftigen Unterstützung seines Sohnes Thomas sowie Oskar, eines seiner Angestellten, bereits am Freitagabend Betrieb machen. Erstaunlich, was so alles auf einen CQ-Ruf zurückkommt, wenn die Antennenhöhe, die Lage des QTHs und die Leistung stimmen: TF, LU, PY, 8P, 9Y, HS, alles mit S9 und höher.

Zum ersten Mal konnten wir den Kontest einigermassen ausgeruht beginnen. Erfreulicherweise waren die Bedingungen am Samstag wider Erwarten recht gut. Nach rund zwei Stunden weckte die höhere Laufnummer von HB9DDO (Ops: HB9DDO und HB9IQB) meinen Ehrgeiz, und ich versuchte, mein Operating zu optimieren. Dank Hermann, der mit der Multistation die Bänder unaufhörlich nach Bandöffnungen absuchte und schöne Multipliers ins Log brachte, konnte ich mich auf die Pile-ups konzentrieren, die zu Beginn bei jedem Bandwechsel teilweise recht heftig ausfielen, besonders auf 20m und 40m. Doch es kam noch besser. Um 19.30 UTC wechselte ich auf 20m, in der Hoffnung, ein paar Amis arbeiten zu können. Ich hörte HB9RDE einen Ami nach dem anderen arbeiten. Doch bei mir waren die US-Stationen kaum zu hören. „Gibt‘s doch nicht, die Antenne von RDE kann doch nicht so viel besser sein.“ Da fiel mein Blick auf das Kontrollgerät der Stepper-Yagi. Alles klar, die 15m-LED leuchtete noch. Ein Knopfdruck, kurz warten, und schon stiegen die Signale auf S9. Ich setzte mich 10 kHz oberhalb von RDEs Frequenz fest und begann zu rufen. Innert Kürze kamen rund 150 US-Stationen ins Log. Von den meisten erhielt ich die Nummer 001. Zwischendurch erwähnte ich die Stepper-Yagi, was zu einem kleinen SteppIR-Treffen führte. Das US-Pile-up machte mir grossen Spass, da die meisten Signale bei S9 lagen und sogar Mobilstationen gearbeitet werden konnten. KL kam mehrfach mit dicken Signalen durch, auch W6 ging ausgezeichnet. Dem flachen Abstrahlwinkel sei Dank!


Um 21.30 UTC musste ich das US-Pile-up wohl oder übel verlassen, da uns sonst wichtige Multis und QSOs auf 80m und 160m entgangen wären. Auf 160m erwartete uns eine böse Überraschung. Ein schlecht gelöteter Stecker verursachte vagabundierende HF. Das TX-Signal wurde bei mehr als 100 Watt Leistung blockiert. Ferner wurden die CW-Zeichen kurzfristig arg manipuliert, was wohl bei dem einen oder anderen OP zu überdurchschnittlich grossen Fragezeichen führte :-) Wir mussten uns in der Folge auf 100 Watt beschränken, was uns wohl einige wertvolle Multis gekostet hat.
Ansonsten liess uns Murphy in Ruhe, und ich legte mich um 02.30 HBT, nach fast 12 Stunden Running, ins Bett. Hermann, der sich kurz vorher aufs Ohr legte, übernahm die harte Nachtschicht. Vier Stunden später sass ich wieder an der Station und hobelte (Fachausdruck für lustvolles Abarbeiten eines Pile-ups), was es noch zu hobeln gab. Die letztjährigen 1600 QSOs schienen ausser Reichweite. Doch eine letzte Anstrengung auf 40m in SSB machten die 1600 dann doch noch voll. Das Amusement dieses Kontests war der Hinweis eines deutschen OM, seine Adresse auf der QRZ-CD doch bitte zu korrigieren. Während er diese buchstabierte, kamen drei Stationen ins Log. Ansonsten gab es betriebstechnisch keine besonderen Vorfälle. Ein Ami insistierte und gab uns die Nummer 200, da unser Signal so laut war, und am Sonntagmorgen musste Hermann unsere Laufnummer sicherlich zehnmal wiederholen, weil ein OM einfach nicht glauben konnte, dass man im HK 1500 QSOs machen kann.

Punkt 15.00 HBT standen Thomas und Oskar im Shack und begannen, die SteppIR abzubauen. Müde, aber erfreut über das erneute tolle Score, machten sich Hermann und ich an den Abbau der übrigen Antennen und des Shacks.
Das für meine Verhältnisse lange Operating hinterliess Spuren, die ich noch 10 Tage nach dem Kontest spürte.

Unser Dank geht an die QTH-Besitzer Katrin und Franz, die uns bei unserem verrückten Hobby einmal mehr kulinarisch und mental optimal unterstützten, und an die SteppIR-Truppe Thomas, Oskar und Jakob. Ihr Hamspirit ermöglichte uns erneut eine tolles Funkwochende mit schönen Pile-ups und viel DX (33%). Auf ein Neues im Jahr 2007!

Vy 73's de Phil, HB9FMU, es Hermann, HB9CRV

Antennen: 10–20m: 3-El. -SteppIR @ 24 m, Econova-Dipol @ 15 m
40-160m: Monobanddipol für 40m @ 22 m, Monobanddipol für 80m @ 22 m, Kelementrapdipol für 40-160m @ 18 m
Rig: Running: FT-990 plus SB1000 800 Watt, Multi: IC-736 plus SB 200 400 Watt
Logging: TR Log

...

Erster Multi-Versuch soweit geglückt

Von Stephan, HB9DDO

Nach diversen lockeren Teilnahmen in den vergangenen Jahren hatte ich 2005 den Ehrgeiz entwickelt, das Duo HB9CZF und HB9BXE herauszufordern. Leider fiel der Direktvergleich mit Seriensieger HB9BXE ins Wasser, weil Hanspeter aus terminlichen Gründen den Contest nicht mitmachen konnte und überdies Freude an der Mixed-Kategorie fand. Gegen Dominik, HB9CZF, hatte ich keine Chance, was wohl primär an der mangelnden Erfahrung und auch einigen technischen Problemen lag (z.B. 15m-Beam mit zu spät entdecktem Blitzschaden).

Für dieses Jahr hatte ich mich mit Peri, HB9IQB, zusammengetan, um uns mit HB9FMU/HB9CRV zu messen. Als Station sollte die Clubstation HB9CA dienen, eigentlich eine mehr auf DX als auf Contest optimierte Einrichtung. Ausserdem wollten wir den Vorbereitungsaufwand wegen beidseitiger beruflicher Belastung in einem erträglichen Rahmen halten und entschieden uns für eine zusätzliche Drahtantenne (mit Magentic-Balun) und den nicht mehr ganz state-of-the-art FT-757GX für die Multistation.

Im Lauf des Contests sollte sich dann zeigen, dass wir es mit der Vorbereitung wohl doch etwas zu locker genommen hatten. Am meisten geschmerzt hat aber wohl der Ausfall des Transceivers der Multiplikatoren-Station, was uns für Bandöffnungen quasi blind gemacht hat und sich schliesslich in den noch provisorischen Resultaten widerspiegelt. Jegliche weitere Versuche in diese Richtung sind ohne gescheite Bandfilter zum Scheitern verurteilt.

Was wir aber sicher beide aus dem Wochenende mitnehmen, ist der Spass an den Pileups, für einmal nicht als Single-OP isoliert hinter der Kiste zu hocken und v.a. die Bekanntschaft mit Phil, HB9FMU. In der Folge des Contests ergab sich eine interessante E-Mail-Diskussionrunde mit den beiden Teams, angereichert durch die Analysen von Dominik, HB9CZF. Mittlerweile hatte ich auch Gelegenheit, Phil, HB9FMU, persönlich zu treffen, und es ergab sich ein noch direkterer Meinungsaustausch. Und wer weiss, vielleicht schlagen wir nächstes Jahr die Konkurrenz einfach, indem wir gemeinsam antreten. Sollte dies ein weiteres Team anregen, die Herausforderung anzunehmen, wäre das Ziel dieses Beitrages bereits erfüllt.

Vy 73, Stephan, HB9DDO

4 Kommentare:

Anonymous Fred, HB9AAQ sagte ...

Beim Betrachten der Rangliste und der Resultate des diesjährigen Helvetia-Contestes kann man nur den Hut lüften, wenn man bedenkt, was für Kenntnisse nötig sind, um als Single OP innert 18 Stunden ca. 1000 QSO’s oder als Multi OP zu zweit 1415 oder gar 1582 Stationen zu arbeiten. Dies braucht:

- bestes Operating in CW wie auch in SSB
- beste Kenntnisse der Ausbreitungsbedingungen um zur richtigen Zeit auf der richtigen Frequenz zu sein und damit
- perfektes Zeit–Management
- sowie perfekte Kenntnisse der zu verwendenden Antennen, Hard- und Software
- und letztlich beste Arbeitsteilung.

Wenn man berücksichtigt, dass 47 Single OP’s und 28 Multi OP Stationen 136 OM’s mitgemacht haben und insgesamt 75 Log eingegangen sind, so kann man von einer Superleistung aller OM’s sprechen, und es ist nur zu bedauern, dass nicht alle Kantone der Schweiz „on air“ vertreten waren, ein Punkt, den es noch besser zu berücksichtigen gilt. Jedem Einzelnen, der mitgemacht hat, und jeder Gruppe gebührt Anerkennung und meine Gratulation.

Wenn ich meinen kleinen Zinnteller, der für den anno 1972 erarbeiteten ersten Rang an der Wand hängt, betrachte, dann bedaure ich, dass heute keine solchen Trophäen mehr abgegeben werden können. Doch die Zeiten haben sich seit damals in mancher Hinsicht geändert. So wäre es interessant feststellen zu können, wie hoch das Durchschnittsalter damals war und wie hoch es heute ist, und wir können uns fragen, wie wird das in weiteren 30 Jahren aussehen? Wird es dann noch Amateurfunk und damit einen Helvetia-Contest geben. Es wird an uns und an der USKA liegen, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und die richtigen Weichen zu stellen, sind wir doch gerade heute – wo in Deutschland neue, attraktive Bedingungen für die Einsteigerklasse angekündigt sind – gefordert, auch über die Gestaltung des Amateurfunks in der Schweiz nachzudenken.

Es ist zu hoffen, dass sich unser BAKOM im Rahmen der CEPT für eine wohlüberlegte, einheitliche Lösung zum Wohle des Amateurfunks einsetzt, dazu ist die RSGB-Lösung eine gute Grundlage die, meine ich, dem Amateurfunk weiterhilft.

Fred, HB9AAQ

05 Juli, 2006 14:33  
Blogger Peri, HB9IQB sagte ...

Lbr Om Fred

Ja, ich bedauere auch, dass es keine schönen Zinnteller mehr gibt!

Das Durchschnittsalter ist - ich vermute - eher gestiegen.

Die RSGB-Lösung finde ich ganz gut. Würde uns auch in HB9 gut zu Gesicht stehen.

Vy 73 de Peri, HB9IQB

05 Juli, 2006 14:37  
Blogger Peri, HB9IQB sagte ...

Die neuen britischen Richtlinien wurden vorgestern offiziell bekanntgegeben.
Siehe:
http://www.ofcom.org.uk/consult/condocs/aradio/lifetimelicence/

06 Juli, 2006 10:54  
Blogger Stephan, HB9DDO sagte ...

Apropos Helvetia-Contest: ich habe (endlich) die HK-Rekord-Liste um die 1. Plätze von 2006 ergänzt. Der Link auf die Liste ist wie gehabt in der Kategorie "Fünf Mal Resultate und Rekorde" zu finden.

73 de Stephan, HB9DDO

19 September, 2006 18:52  

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